Blackface in Europa

Heute kann man in der deutschsprachigen Presse lesen, welchen Wirbel Oliver Pocher jenseits des Atlantiks angerichtet hat, indem er auf dem Wiener Opernball vor Kim Kardashian das Wort “Nigger” ausgesprochen hat. Ausserdem scheint sich ein österreichischer Komiker das Gesicht schwarz angemalt zu haben, in Anspielung auf Frau Kardashians Verlobten Kanye West. Leser empören sich in ihren Kommentaren über die übertriebene Sensibilität der Amerikaner. Die Agentur des Komikers erklärt, die Kostümierung werde falsch verstanden.
Kürzlich gab es einen ähnlichen Fauxpas in der Schweiz, als sich eine TV-Komödiantin nicht nur das Gesicht schwarz malte, sondern sich auch noch wülstige Lippen aus Plastik aufsetzte und mit clownesken Gesten und kindischer Sprache bemühte, den Vorfall um Oprah Winfreys Einkaufserlebnis auf der Bahnhofstrasse beiseite zu grinsen. Auch hier tendierten Leserkommentare dazu, den Kritikern der Aktion Überempfindlichkeit, Fehlinterpretationen und Humorlosigkeit vorzuwerfen.

Vielleicht gibt es tatsächlich Raum für Fehlinterpretationen. “Blackface” spielte in der europäischen Theatergeschichte wahrscheinlich eine andere Rolle, als in der amerikanischen. In Ermangelung eines echten Mohrs muss in Venedig halt ein schwarzbemalter Weisser auf die Opernbühne. Während das Amusement der amerikanischen Minstrel-Shows im wesentlichen darauf basierte, sich mit persiflierten Stereotypen über die schwarze Minderheit lustig zu machen. Mit welchem dieser Fälle die beiden neueren Blackface-Aktionen eher vergleichbar sind, dürfte klar sein.

Bleibt die Frage, was von Oliver Pochers Spruch zu halten ist. Das Gesicht hat er sich ja nicht schwarz gemalt, er hat nur gesagt er warte auf “Niggers in Vienna”. Gemeint war es wohl als Wortwitz auf der Basis eines Songtitels des erwähnten Kanye West (“Niggas in Paris”).
Es ist zwar ungerecht, aber bei vielen Dingen spielt es nicht nur eine Rolle was gesagt wird, sondern von wem es gesagt wird, und ausserdem wie und in welchem Kontext es gesagt wird. Das Resultat liegt hier irgendwo zwischen peinlich und geschmacklos.

Ein Deutscher, der etwas anderes als “school English” verwendet, läuft grosse Gefahr, sich im besten Fall lächerlich zu machen, und im schlimmsten Fall ganz fest in einen Fettnapf zu treten.

Man kann sich leider nicht darauf berufen, dass die Leute im Kinofilm gestern Abend ganze neunzig Minuten lang so gesprochen haben, oder dass Jimmy Fallon letzte Woche Chris Rock auch genauso auf den Arm genommen hat oder was auch immer. Es kommt einfach anders, es wirkt ganz anders, und geht meist schief wenn ein Ortsfremder sich auf den messerscharfen Grat zwischen Humor und schlechten Geschmack begibt.

Piloten bei Ryanair

Im Studium stellte mir ein imaginärer Professor Picot in einem seiner Bücher über die Neue Institutionenökonomik die Frage “warum gibt es überhaupt grosse Unternehmen: warum ist nicht jedes Individuum ein Unternehmer in eigener Sache?” Institutionenökonomen haben darauf eine ausgeklügelte Antwort. Im Kern geht es aber um Transaktionskosten, und da diese durch neue Technologien und soziale Interaktionsformen ständig sinken, sagen die Modelle für die Zukunft gravierende Verschiebungen der “Grenzen der Unternehmung” voraus.

Ryanair macht schon mal vor, wie es laufen kann.

Um für die irische Billigfluglinie zu fliegen, muss der willige Pilot eine eigene «Limited» Gesellschaft (Ltd.) mit Sitz in Dublin gründen. Diese «Ein-Piloten-Ltd.» bietet ihre Arbeitsleistung der Firma Brookfield Aviation Ltd. an, die ihren Sitz ebenfalls in Dublin hat. Brookfield ihrerseits verleiht dann diese Piloten weiter an die Firma Ryanair. Der Pilot sitzt also in einem Flugzeug der Firma Ryanair, mit der er aber in keinem direkten Vertragsverhältnis steht.

Für den irischen Billigflieger ergeben sich daraus viele Vorteile: Da das fliegende Personal nach Blockstunden bezahlt wird, fallen keine Grundkosten an. Zudem können von einem Monat auf den anderen Kapazitäten auf- oder abgebaut oder von einer Basis auf eine andere transferiert werden. Der Pilot als Unternehmer muss sich selbst um seine Pensionskasse, Sozialabgaben und Steuern kümmern. Sollte einmal die Blockstundenanzahl und somit auch das Einkommen gekürzt werden, trägt ebenfalls der Pilot dieses unternehmerische Risiko.

Nicht vorenthalten möchte ich Euch ein paar andere Höhepunkte aus dem Brookfield Vertrag. Da der Pilot bei keiner Fluggesellschaft angestellt ist, trotzdem aber irgendwo in den Simulator muss, zahlt er als Pauschale viereinhalb Euro pro Flugstunde an Ryanair für die Nutzung ihrer Trainingseinrichtungen. Steht einmal ein Flug mit einem Instruktor oder einem Examiner an, so hat der Trainee für einen Teil der Kosten aufzukommen. Ein First Officer verdient übrigens 60 Euro brutto pro Flugstunde.

Aus: Pilots of Swiss

 

Shields Up!

“Trotzhaltungen haben noch nie zum Erfolg geführt.” Stattdessen solle “mit der Kraft unserer Argumente” agiert werden.

Angela Merkel said she is against using trade-agreement negotiations as leverage against the NSA. I agree with her on this. Conflating different topics would raise distractions and ultimately sap popular support for the core demand: protection from mass surveillance as a core component of human rights. It does, however make sense to use the voluntary exchange of information as leverage, e.g. the current agreements to (without court order or means of legal review) provide all bank transaction files, air passenger files and so on to foreign intelligence services. That presumably started under the assumption that data was being processed sparingly and responsibly, i.e. in the service of specific security-related goals. The assumption is no longer reasonable, so the programs should end. I think the best response would be to start a “Shields Up” program, providing federal funding to open-source developers of encryption solutions, adding PKI keys to ID cards and implementing laws granting users rights regarding their own data, and governing how and where user data may be stored and transmitted.

Viewing the world

Every morning after “doing the mail” I scan the headlines to see what the world has been up to. This morning, I noticed an editorial in the Chicago Tribune lamenting Obama’s “lack of ownership” regarding the US-Afghan War. The editorial framed all of Obama’s actions in the context of US party politics, contrasting them with the deep real-world impact his decisions had on the “men and women in the field”. (The article based on Gates’ recently-published memoirs.)

It occurred to me how often I’ve seen that style of writing in US media. Especially in editorial commentaries, authors very often focus on the party politics behind given decisions which have either been taken, or which they would like to see taken. What’s awful though is that the object of these decisions is all-too-often far outside the geographic borders of the United States of America. They’ll look at whether or not a particular action should be taken not in terms of what it would mean for the peasants, or opposition movement, or friendly government which are affected, but instead they’ll lavish their attention on the impression it will make on the Democratic base, or the voters in swing states, or the impact it might have on the nomination of a candidate for some political office or other in the Midwest.

The editorial I linked isn’t a particularly good example of this way of thinking, but it will do. The author finds Obama’s decisions reprehensible not because of their impact on the Afghan nation, or farmers or law-enforcement officials or students, but because of their perceived impact on the domestic political constituency and the US soldiers overseas. It’s that sort of lack of regard which will keep causing trouble, or at least fail to stop it.

McDonald’s 2013 employee benefits program

Anyone who’s enjoyed medical treatment in the U.S. will see McDonald’s healthcare program for what it is: largely symbolic.

Take a look at this, their benefits brochure.

If you consider that their employees earn around $7.50 per hour, a $30% co-pay for emergency treatment is almost prohibitive. Emergency rooms can cost $1000 just for walking (or, Asclepius forbid, rolling) through the door… and after that, the costs really start mounting.

Just the “green fee” for an emergency room will cost our burger-flipper a little over a week’s pay (before taxes).