Ein typischer Tag im Juli…

Es ist 5:41, es sind 28°C und ich trage einen Anzug. Jackett und Krawatte habe ich auch nicht vergessen. Nicht, dass es mir im Büro nachher kalt wird.
Um Lastspitzen zur wärmsten Zeit des Tages zu vermeiden, gibt es eine Methode namens pre-cooling, bei der man die Temperatur frühmorgens extra weit herunter bringt, dafür mittags die Kompressoren und Ventilatoren etwas schont. Klingt in der Theorie recht gut und sinnvoll, nur stellt sich in der Praxis heraus, dass einige besonders findige Cubicle-Bewohner anfangen, mitgebrachte elektrische Heizungen anzuschalten. Nun denn.

All the gear, but no idea

Im Art Institute of Chicago habe ich erlebt, wie ein Frau erst von einem Wachmann gebeten wurde, bitte nur ohne Blitz zu fotografieren, und kurz darauf laut und aggressiv geworden ist als er seine Bitte wiederholt hat. Sie wusste überhaupt nicht, wie sie die Einstellungen ihrer Pocket-Kamera verändern könnte– dafür aber sehr genau, dass es eine teure Kamera war die sicher unbedenklich sei.

Etwa ein Woche vorher hatte sich ein Ehepaar im Best Buy für eine digitale Spiegelreflex entschieden. Vor dem Gang zur Kasse baten sie den Verkäufer, die Packung zu öffnen und die Kamera so einzustellen, dass sie die besten Bilder macht.

Und kürzlich habe ich im selben Best-Buy überhört, wie ein potenzieller Käufer zuerst nach der besten Spiegelreflex gefragt hat und dann, ob diese auch “Panoramabilder” machen könne.

Ach ja, und am Freitag hat mir im Zug eine Frau erzählt, dass sie sich in der Stadt nach einer neuen Kamera umschaut. Ihre jetzige sei schon ein paar Jahre alt, habe nur sieben Megapixel. Moderne hätten ja schon gut das Doppelte. Ausserdem mache ihre immer häufiger Aufnahmen auf denen die Leute hässliche rote Augen haben.

In allen vier Beispielen fehlt den Fotografen etwas, und ich denke nicht dass es Ausrüstung ist. Sicher fehlt es an Wissen und wahrscheinlich auch an den Mindestvoraussetzungen zum Erwerb des Wissens, nämlich Interesse und Ehrgeiz. Sonst hätten sie das zwölfseitige Handbuch der Panasonic gelesen, einen Fotokurs besucht oder sich fünf Minuten vor dem Einkauf kurz bei Wikipedia oder KenRockwell oder Amazon einen Überblick verschafft.

Es ist egal, welches Equipment sie sich kaufen und welche Settings sie den Verkäufer einstellen lassen: das, was sie vorhaben, landet sicher bei Facebook und nach der automatischen Bildanalyse irgendwann bei pointerpointer. Ist ja auch in Ordnung.

Das war jetzt gehässig, sorry. Ihre Ansprüche gehen nämlich sicher über verblitzte Party Pictures hinaus. Irgendetwas fehlt ihnen ja, sonst wären sie nicht bereit, viel Geld auf den Tisch zu legen. Warum tut’s nicht die Kamera im Telefon? Ist es das Objektiv? Die Auslöseverzögerung? Die umständliche Erreichbarkeit von Einstellungen für Blende, Messverfahren und Rauschunterdrückung?

Facebook versus WordPress

Facebook gefiel mir noch nie so richtig, aber ich habe Geschmack daran gefunden, ab und zu ein paar Sätze zu schreiben, ohne mir über Adressaten den Kopf zu zerbrechen. Das geht auch ohne Facebook, dachte ich mir letztens. Google+ ist technisch schon einmal ein paar Schritte voraus, aber hinsichtlich der Verwertungsrechte an den ihnen anvertrauten Fotos und Texte, und des Potenzials der missbräuchlichen Verknüpfung, Auswertung und Ausbeutung unserer Daten genauso schwer verdaulich.

Ein Blog ist üblicherweise komplett öffentlich. Ein ambitionierter Privatsphären-Beelzebub kann daraus prinzipiell die gleichen Daten kopieren, verknüpfen und auswerten. Er hat es nur nicht ganz so bequem, und rechtlich bewegt er sich dann auch sehr eindeutig auf der Gegenfahrbahn.

Also experimentiere ich jetzt mal etwas mit WordPress.