Piloten bei Ryanair

Im Studium stellte mir ein imaginärer Professor Picot in einem seiner Bücher über die Neue Institutionenökonomik die Frage “warum gibt es überhaupt grosse Unternehmen: warum ist nicht jedes Individuum ein Unternehmer in eigener Sache?” Institutionenökonomen haben darauf eine ausgeklügelte Antwort. Im Kern geht es aber um Transaktionskosten, und da diese durch neue Technologien und soziale Interaktionsformen ständig sinken, sagen die Modelle für die Zukunft gravierende Verschiebungen der “Grenzen der Unternehmung” voraus.

Ryanair macht schon mal vor, wie es laufen kann.

Um für die irische Billigfluglinie zu fliegen, muss der willige Pilot eine eigene «Limited» Gesellschaft (Ltd.) mit Sitz in Dublin gründen. Diese «Ein-Piloten-Ltd.» bietet ihre Arbeitsleistung der Firma Brookfield Aviation Ltd. an, die ihren Sitz ebenfalls in Dublin hat. Brookfield ihrerseits verleiht dann diese Piloten weiter an die Firma Ryanair. Der Pilot sitzt also in einem Flugzeug der Firma Ryanair, mit der er aber in keinem direkten Vertragsverhältnis steht.

Für den irischen Billigflieger ergeben sich daraus viele Vorteile: Da das fliegende Personal nach Blockstunden bezahlt wird, fallen keine Grundkosten an. Zudem können von einem Monat auf den anderen Kapazitäten auf- oder abgebaut oder von einer Basis auf eine andere transferiert werden. Der Pilot als Unternehmer muss sich selbst um seine Pensionskasse, Sozialabgaben und Steuern kümmern. Sollte einmal die Blockstundenanzahl und somit auch das Einkommen gekürzt werden, trägt ebenfalls der Pilot dieses unternehmerische Risiko.

Nicht vorenthalten möchte ich Euch ein paar andere Höhepunkte aus dem Brookfield Vertrag. Da der Pilot bei keiner Fluggesellschaft angestellt ist, trotzdem aber irgendwo in den Simulator muss, zahlt er als Pauschale viereinhalb Euro pro Flugstunde an Ryanair für die Nutzung ihrer Trainingseinrichtungen. Steht einmal ein Flug mit einem Instruktor oder einem Examiner an, so hat der Trainee für einen Teil der Kosten aufzukommen. Ein First Officer verdient übrigens 60 Euro brutto pro Flugstunde.

Aus: Pilots of Swiss